Samstag, 26. September 2009

Wir bleiben!

Eines steht fest. Wenn das mit dem Essen so weiter geht, dann bleib ich einfach hier!
Heute morgen durften wir uns für einen Ausflug nach Meschen, einem Nachbarörtchen von Mediasch, jeder einen passenden Drahtesel in einem Stall einfangen.
Mein Knallroter hatte sagenhafte drei Gänge und einen beneidenswerten Hornlenker – Ähnlich sah es bei den anderen aus :-)
Die Überlandfahrt wurde daher zu einer lustigen, quietschenden und holprigen Angelegenheit.

Zuerst steuerten wir einen kleinen versteckten See an, um einem örtlich bekanntem Sinfonieorchester, bestehend aus Fröschen, zu lauschen.
Leider schienen die Stars gerade auf Tournee zu sein, denn es war zu diesem Zeitpunkt mucksmäuschen still.
Weiter ging es unsere Fahr, vorbei an einem Baum, an dem mutterseelenallein – MOMENT! Foto raus! Knipps!! - mitten in der Pampa lässig eine Kuh lehnte und uns gelanweilt beäugte.
Ich schien viel mehr über dieses Antreffen verwirrt zu sein als sie.
In Meschen angekommen besuchten wir zunächst eine bewundernswerte Familie.
Ein ehepaar aus Deutschland hatte es sich hier zur Aufgabe gemacht insgesamt 29 bedürftige Kinder bei sich aufzunehmen, die unter anderen Umständen offensichtlich nicht überlebt hätten.
Ich stellte mir es erst als eine Art Kinderheim vor, aber bei der Ankunft empfing uns eine familiäre Atmosphäre: Auf dem Hof spielten muntere Kinder, hüpften auf einem riesengroßen Trampolin oder fütterten Babykatze ("Wie goooooldig!")
Wie uns später erklärt wurde, nennen die Kinder ihre Pflegeeltern Mama und Papa und ihre eigene Mutter treffenderweise Gebärmutter.
Wir bekamen eine Führung durch das große Haus, das nur aus Schlafzimmern zu bestehen schien und einen riesigen Speisesaal aufwies. Um den Kindern einen Rückzug zu gewährleisten waren es meistens Zweierschlafzimmer, die jeweils sehr individuell und dem Kind entsprechend eingerichtet waren. Auffallend war die tadellose Ordnung in allen Zimmern, die unserer Chaos-WG natürlich sofort ins Auge stach ;-)
Bewundernswert war auch die Ruhe und Unverbrauchtheit der Pflegeeltern und wie ihnen alles wie selbstverständlich von der Hand ging.
Wir unterhielten uns auchüber die erschütterten Schicksale der einzelnen Kindern, die allesamt noch als Babys zu dem "Haus der Hoffnung" gebracht worden waren
Dementsprechend schweigsam setzten wir unsere Reise zu einer Kirchenburg fort. Es ging hinauf in die luftige Höhen eines Glockenturms, dessen Aufstieg durch immer wackelig werdende steilen Treppen (=Leitern), die ab dem 3. Stock sogar zu schwingen beganen, erschwert. An dieser Stelle grüße ich recht herzlich meine Höhenangst! :D
Belohnt wurden wir aber von einem umwerfenden Ausblick über die Stadt und die hügelige Landschaft, was unsere Zitterpartie aufwärts wirklich auszahlte!

Zurück in Mediasch lud uns unsere Lehrerin zu sich nach Hause zum Esse ein, das ihre Mutter für uns vorbereitet hatte,
Es begann mit einer herrlich duftenden, aromatisch zur Perfektion getriebenen Zukkinisuppe, die sowas von lecker war, dass wir drei gar nicht anders konnten als uns einen Nachschlag aufzutun.
Anschließend gab es die besten gefüllten Paprika, die ich bis jetzt gegessen habe. Den anderen schien es genauso zu gehen, denn auch hier konnten wir nicht mit dem Essen aufhören und unser Besteck weglegen. Ein Zwetschgenkuchen und Kaffee rundete alles ab.
Um uns vor lauter Geschirr bei der Unterhaltung sehen zu können, stapelten wir die Teller vor mir, was die Lehrerin sehr zu belustigen schien. Anscheinend stapelt sich das Geschirr vor der Person, die bald heiraten wird.
Solltenw ir also künftig nicht nur Glockentürme besteigen, sondern sie auch zum Läuten bringen, bitte nicht wundern ;-)
Nach einer langen Unterhaltung rollten wir demensprechend glücklich und mit der Welt zufrieden, bepackt mit einer Riesenzukkini und eingemachten Pfirsichen, nach hause, wo wir unsere Jacken in die Ecke und uns aufs Sofa warfen.

Beitrag von Kathrin

PS: Vladuzkis, wir vermissen euch ^^

Tolle Menschen und Deja - vus

Heute haben wir mit Karunas Anleiterin Frau G. eine kleine Radtour gemacht. Sie hat uns Räder geliehen und wir sind nach Meschen gefahren. Die Fahrt war sehr angenehm, weil flache Strecke...So hatten wir viel Zeit, die Landschaft zu bewundern und den Erklärungen von Frau G zu lauschen. Wir sind an einem Froschteich vorbeigekommen und auch an einer am Baum angeketteten Kuh, die uns doch sehr belustigt hat...Beitrag Kathrin: "Lebt die noch???" In Meschen haben wir eine Familie besucht, zu der auch einige Schüler unserer Schule gehören. Die Eltern haben selbst sieben Kinder, dazu aber noch 27 aufgenommen. Die meisten kamen schon als Säuglinge zu ihnen, meist aus Krankenhäusern, aber es haben auch Eltern ihre Kinder bei ihnen abgegeben. Die Frau erzählte uns davon, woher die Kinder kommen und was sie alles erlebt haben, bevor sie zu ihnen kamen. Es lief mir beim Zuhören kalt den Rücken herunter.
Jetzt haben sie allerdings ein Zuhause, wie man es sich als Kind nur wünschen kann. Das Haus ist groß, sehr sauber und wirklich seehr ordentlich. Wir waren überrascht, dass es in einem Haus, in dem so viele Kinder wohnen, so ordentlich sein kann. Die Kinder schlafen meist zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer. Es ist eine sehr gemütliche Atmosphäre. Das Esszimmer sieht aus wie der Speisesaal in einer Jugendherberge und auch die Küche ist natürlich größer. Die Frau, die von allen Mama genannt wird, kocht für die ganze Bande immer noch selbst! Ich war wirklich sehr beeindruckt von ihr: wie sie das alles schafft, ist mir immer noch ein Rätsel. Sie strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, und jedes Kind sieht sie wirklich als ihr eigenes an. Sie hat uns auch erzählt, dass sie und ihr Mann schon vor Gericht gegangen sind, um zu verhindern, dass Eltern ihre Kinder wieder zurückholen können. Diese haben sich nie um die Kinder gekümmert, aber seit einiger Zeit gibt es vom rumänischen Staat Zuschüsse, wenn Kinder aus Heimen wieder nach Hause geholt werden...
Nach diesem eindrücklichen Erlebnis, das uns sicher noch eine Weile beschäftigen wird, haben wir die Kirchenburg in Meschem besichtigt uns sind unter Führung von Frau G. ganz hoch auf den Kirchturm gestiegen. Die Treppen waren eher Stiegen und wirklich seehr steil. Aber wir haben es geschafft!
Die Rückfahrt ging noch leichter als die Hinfahrt, da es nur bergab ging. Die Kuh war immer noch da und musste natürlich fotografiert werden...:-)
Anschließend wurden wir von Frau G. zum Essen eingeladen. Ihre Mutter hatte eine Suppe gekocht: hab ich schon mal irgendwo erwähnt, dass diese Suppen hier in Rumänien einfach ein Gedicht sind??? Danach, denn es gibt hier immer eine Suppe und einen Hauptgang, kamen wir noch in den Genuss von leckeren gefüllten Paprika. Schwupps war der Nachmittag rum und wir hatten drei Stunden mit Frau G. geredet. Wir haben viel erzählt und viel gelacht. Gegen 18.00 machten wir uns auf den Weg nach Hause. Nicht ohne einen wirklich riesigen Zucchini und eingelegte Pfirsiche. Ich glaube wirklich, das ist eine Angewohnheit der Rumänen...:-)
Außerdem hat es uns an unsere Vladuze erinnert, die wir schon ein bisschen vermissen...

Zu Hause angekommen, wurde erst mal die Waschmaschine angeworfen. Und als hätte ich nicht schon genug gegessen, wurde ich von meinen Mitbewohnerinnen noch zu einer Schüssel Grießbrei genötigt. So langsam nehmen sie die Mentalität hier an..."kooomm, nur ein biiischen. Ein klaeener Klääks."
Jetzt ist es Zeit für unser abendliches BBP-Programm...Die zwei Hühner hinter mir haben asozialerweise schon angefangen, und ich muss mich ihnen jetzt anschließen. In diesem Sinne: einen schönen Abend allen Lesern!

Beitrag von Elke

Voller Eindrücke und Bewunderung

Menschen, die sich aufopferungsvoll um Kinder kümmern kann ich nur bewundern. Wir haben eine Radtour gemacht. Ich dachte, das geht in Rumänien nicht, weil hier alle fahren wie sie wollen. Aber es geht! Also wir sind nach einem relativ angenehmen Morgen, mit dem Fahrrad nach Meschen geradelt. Unterwegs haben wir an einem Froschteich angehalten... hier gibt es soooo schöne Örtchen! Dann fuhren wir weiter. Unsere kundige Führerin Fr. G. zeigte und erzählte uns so viel, dass ich es gerne aufgenommen hätte um nichts zu vergessen... Wenn man so mit dem Fahrrad unterwegs ist, fallen einem viele Sachen erst so richtig auf... Wie viele Maisfelder es gibt. Dass auf den Häusern überall deutsche Inschriften sind und wie viele Pferdefuhrwerke noch unterwegs sind. Vorallem in den kleinen Dörfern. Wir fuhren auch an einer Kuh vorbei, diese war einfach an einem Baum angebunden. Kathrins frage, ob sie noch lebt war berechtigt, denn hier herrscht doch eine Art Wegwerfmentalität. In Meschen angekommen, besuchten wir eine Art Waisenhaus. Es handelt sich dabei um eine Familie, welche Kinder aufnimmt, bzw aufgenommen hat. Sie hat selbst sieben eigene, welche inzwischen groß sind und 29 aufgenommen Kinder. Alle zwischen 7 und 14 Jahren. Die Frau ist klein und man weiß nicht genau, woher sie die Kraft nimmt. Es sind alles ehemalige Zigeunerkinder, aus schwierigen und armen Verhältnissen. Kinder, welche im Krankenhaus "vergessen" wurden und teilweise auch dort noch misshandelt wurden. Oder Kinder von Familien, welche schon sehr viele Kinder hatten und diese sonst verhungert wären. Was die Frau über diese Kinder erzählt hat, hat mir wirklich Gänsehaut verursacht. Kinder von Ratten angefressen, voller Ausschlag, verwahrlost oder vier Jahre lang an ein Bett gefesselt. Sie führte uns nach einer herzlichen Begrüßung durchs Haus. Überall Ordnung und doch persönliche Sachen der Kinder. Die Kinder schlafen meist in Zweibettzimmern. Zwischendrin gibt es Spielzimmer, Wohnzimmer und eine riesen Küche mit Spiesesaal. Ein riesen Aufwand. Aber man merkt, dass die Kinder sich sehr wohl fühlen. Alle sagen Mama, bzw. Papa und sind gerne dort. Leider kommt es immer wieder zu Sorgerechtsstreits, da die Eltern die Kinder aufgrund der ihnen dann zustehenden Sozialhilfe vom Staat wieder zu sich nehmen wollen. Ich bewunder diese Menschen so, dass sie das hinbekommen. Mit allen Kindern und alles ist so ordentlich und so. Ich bin begeistert. Nach dieser schon so eindrücklichen Begegnung, gingen wir in die angrenzende Kirchenburg. Dort wanderten wir durch eine sehr heruntergekommene Kirche. Mir tat es im Herz weh, dass hier so viel einfach kaputt geht! Niemand sieht wirklich den Wert, und wenn dann hat er nicht die entscheidenden Mittel. Nach dem wir die Kirche besicht hatten, stiegen wir auf den Turm. Oh mein Gott!!!! So hoch und doch eine soooooooooooo tolle Aussicht und diese wackelnden Leitern. Ich dachte nicht, dass ich da wieder lebend hinunterkomme! Aber es war toll. Zum Schluss waren wir im Speckturm, wo früher von jeder Familie ein Schwein hing. Dann traten wir den Rückzug an. Im Pfarrhof angekommen, wo wir unsere Drahtesel her hatten (sehr abenteuerliche Verkehrsmittel, manchmal fehlte die Bremse, Licht gab es nicht und ich denk sie sind schon so etwas wie Greise unter den Fahrrädern), lud uns unsere überaus nette Führerin zum Essen ein. Eine sooooo leckere Supper (Zuchini) und dann gefüllte Paprika... Oh ich schmelze dahin... Dann haben wir uns noch unterhalten, so etwa 3 Stunden. Es war toll... und interessant und ich bin immer noch ganz erfüllt. Nun sind wir daheim und vermissen doch unsere Valduzen... Kathrin und ich nehmen so langsam das Essverhalten der hiesigen Bevölkerung an... wir essen schon wieder:-)
Somit sag ich Mahlzeit und bis morgen... da werden wir Hermannstadt unsicher machen:-)

Beitrag von Karuna

Romania

PH goes East

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Was denkt oder wisst...
... Hallo, Karuna. Stichwort Sibiu, Stichwort Kronstadt:...
shortlist literaturmagazin (Gast) - 11. Okt, 19:49
letzte vorbereitungen
Oh Mensch, jetzt ist es fast vorbei. Ich bin ehrlich...
Sibiu-Mediasch - 11. Okt, 19:43
Kronstadts Höhen
In der Frühe ging es zum Kirchhof und in einen „Mikrobus“....
Sibiu-Mediasch - 11. Okt, 19:42
Hermannstädter trubel
Heute war ich irgendwie total fit. Wir sind in die...
Sibiu-Mediasch - 11. Okt, 19:41
Von Suppen, Kürtös und...
Nachdem ich am Samstag einem wahren Putzteufel glich,...
Sibiu-Mediasch - 5. Okt, 15:44

Links

Suche

 

Status

Online seit 5691 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Okt, 19:49

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren