Aufstehen, anziehen, in den Spiegel schauen, waschen.... WASCHEN??? Da kam kein Wasser aus der Leitung! Also waschen mit Sprudel und Zähneputzen mit Sprudel *schüttel* Gott war ich froh, dass wir heute nach Hermannstadt fahren würden. Also hat und Fr. D. abgeholt und nach einer halsbrecherischen Fahrt (Männer fahren einfach anders als Frauen) mit dem Mann unserer Fr. D. kamen wir in Hermannstadt an. Wir haben den richtigen Tag erwischt! Markt, wohin das Auge blickt. Automarkt, Gemüsemarkt, Flohmarkt... also wirklich ein sehr buntes Treiben. Wir fuhren erst zu einem Einkaufszentrum. Dort hatten wir zwei Stunde um einzukaufen. Ich wollte eigentlich nur mal schauen und evtl. Einen Pullover kaufen.... NEIN! Ich habe Parfüm, zwei Paar Schuhe (ich konnte mich einfach nicht entscheiden) und Kosmetika gekauft... Nun ja, mein Geld schwindet. Wie auch unsere Vladuzen entschwunden sind. :-( Nach unserem Shoppen, gings in die Innenstadt. Hermannstadt ist wunderschön. Total sauber im Innenbereich und wirklich schön. Wir sind durch die Straßen geschlendert. Über den ehemaligen Marktplatz, wo eine Automesse stattfand, zur Lügenbrücke (Liegenbricke – Zugbrücke, früher haben sich wohl dort die Jungs von den Mädels verabschiedet, wenn sie in den Krieg gezogen sind, mit dem Versprechen, wiederzukommen, was dann nicht so wahr) und an vielen kleinen Cafes vorbei (Einstein, Mara :-) Pizzaria, der Turm). Als wir so durch die Straßen schlenderten, flatterte es bei uns ab und an (deutsch: wir wurden an unsere Flattermänner erinnert). Gegen Mittag landeten wir in einem vorzüglichen Restaurant. Dort aßen wir. Und aßen, und aßen. Ich bin mir sicher, ich habe noch nie so viel gegessen!!! Vorspeise war eine leckere sauer Suppe, dann gab es Krautwickel und Polenta (Maisbrei) und zum Schluss, Papanaschi (oder so ähnlich). Ich hatte Bauchschmerzen, weil es sooooo gut schmeckte. Anschließend rollten wir zu einer orthodoxen Kirche. WOW, wie prunkvoll und angenehm und toll und so. Wirklicht super. Danach rollten wir dem Auto entgegen. Dort saßen wir auf der Rückfahrt und bockten wie die Hühner:-) Daheim angekommen, habe ich Mittagsruhe gehalten und abends dann Unterricht vorbereitet bis um 2 Uhr morgens. Als ich ins Bett bin, hat doch tatsächlich einer der Gebrüüüüder Vladuzen an uns gedacht und eine SMS geschickt:-)
Da haben wir gut geruht...
Beitrag von Karuna
Sibiu-Mediasch - 27. Sep, 14:23
Noch etwas wirr und tatterig standen wir heute morgen auf, nichts Böses ahnend und um uns auf einen Trip nach Herrmannstadt aufzumachen.
Wie gewohnt schlenderte ich in die Küche, um meinem morgentlichen Ritual nachzukommen – Kaffee und Tee kochen. Gerade den Topf in der Hand drang ein spitzer Schre durch die Wohnung. Ein Fluchen folgte "Ey Leute, wir haben kein Wasser!"
Und tatsächlich. Man konnte den Wasserhahn in alle möglichen Richtungen drehen, es tat sich nichts, nicht einmal ein müder Tropfen ließ sich herab, vorbei zu schauen.
Da ich ohne meinen morgendlichen Kaffee praktisch nicht überlebensfähig bin, tüftelte ich fieberhaft an einem Plan, kippte kurzerhand unseren Sprudel in den Topf und beobachtete das zischende, broderlnde Gebräu, was sich später als tatsächlich trinkbar herausstellte.
Der Sprudel stellte sich außerdem als brauseartiges, stark schäumendes Zähneputz- Nachspühlmittel heraus (SO muss Tollwut aussehen!) und als eiskalter Muntermacher fürs Gesicht.
Zwar haben wir hier immer wieder davon gehört, dass das Wasser der gesamten Stadt ohne Vorwarnung abgestellt werden kann, hätten aber nie daran gedacht, dass es uns irgendwann auch erwischt. Rumänien pur :D
Mit Lehrerin samt Ehemann im Gepäck düsten über die Landstraße nach Herrmannstadt. Dort angekommen bummelten wir ein über Pflastersteinsträßchen durch die wunderschöne und gut besuchte Altstadt, die so ein bisschen an unser Ludwigsburg erinnert.
Die Sonne strahlte, der Himmel hatte keine Wolken aufzuweisen uns als wir dann auch noch ein Kürtös mit Zimtgeschmack in die Hand gedrückt bekamen, war der Wasserausfall zu Hause schon längst vergessen!
Zufrieden mampfend ging es an Kirchen, Museen und einem Automarkt mitten auf dem Marktplatz vorbei ( Hier gibt es zwar durchaus Autohäuser, aber Automärkte scheinen wohl viel beiebter zu sein), bis wir schließlich vor der "Lügenbrücke" standen.
Der Sage nach verabschiedeten sich hier im Krieg die Soldaten von ihren Frauen mit dem Versprechen wiederzukommen und sie zu heiraten – was sie nie taten!
Paradoxerweise ließ sich in genau diesem Augenblick ein glücklich strahlendes Brautpar mitsamt der Hochzeitsgesellschaft auf ebendieser ablichten, was mich persönlich sehr belustigte!
Schließlich wurden wir zu einem Mittagessen in einem hübschen Reataurant mit traditionell rumänischer Küche eingeladen. Da es draußen sehr angenehm war, nahmen wir vor dem Restaurant auf dem Marktpltz platz und genossen die spätsommerlichen Sonnenstrahlen.
Weil es der Brauch so will, sollten wir erst eine Suppe und dann einen Hauptgang bestellen. Da wir schon Erfahrung mit der rumänischen Küche gesammelt hatten, kamen wir der Bitte natürlich nur zu gern und strahlend nach.
Wir alle entschieden uns für eine klare Kartoffelsuppe mit einem Klacks Schmand (an Papa: Schmeckt wie Gaißburgermarsch, nur ohne Spätzle und mit zusätzlichem Gemüße! Das hättest du gemocht ;-) ). Danach folgten die berühmt berüchtigeten Kohlrouladen mit dem leckeren Maisbrei – Seeeehr lecker, aber viel zu viel, dass man es leider auch mit viel Gier nicht schaffen konnte!
Der krönende Abschluss bildete Papanas ("Papanasch). Das ist eine Kreuzung aus Berliner und Fastnachtsküchle, bestreut mit Puderzucker und auf einem Klecks Marmelade liegend. Seltsamerweise blieb diesmal davon bei keinem von uns etwas auf dem Teller zurück ;-)
Die Bäuche haltend und ihnen gut zusprechend rollten wir noch zufrieden bei einer aufwendigst verzierten, unbeschreiblichen orthodoxen Kirche vorbei und ließen uns dann zurück ins Auto plumspen. JOI!
So vor uns hindösend wurden wir Zeuge eines unglaublichen Spektakels. Der Wagen vor uns hatte einen Sack auf dem Autodach geladen – hier nichts weiter Ungewöhnliches...
Plötzlich löste sich etwas Schwarzes flatternd aus dem inneren des Sackes heraus, ich dachte erst an einen Vogel. Dann folgten aber weitere nichtidentifizierbare Gegenstände, die sich in die Lüfte hoben, doch als uns eines davon nur knapp verfehlte, wussten wir Bescheid:
Socken, Unterhosen, Strumpf- und Jeanshosen bahnten sich ihren Weg in die luftige Freiheit.
Als die Insassen nicht auf unser, eigentlich unüberhörbares, Hupen reagierte, ließ unser Fahrer und späterer Held kurzerhand das Gaß quietschen, vollzog ein Überholmanöver vom Feinsten und zwang das andere Auto dann zum stehen.
Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass wir danach alle wieder hellwach waren ;-)
Beitrag von Kathrin
Sibiu-Mediasch - 27. Sep, 13:00