Wir bleiben!

Eines steht fest. Wenn das mit dem Essen so weiter geht, dann bleib ich einfach hier!
Heute morgen durften wir uns für einen Ausflug nach Meschen, einem Nachbarörtchen von Mediasch, jeder einen passenden Drahtesel in einem Stall einfangen.
Mein Knallroter hatte sagenhafte drei Gänge und einen beneidenswerten Hornlenker – Ähnlich sah es bei den anderen aus :-)
Die Überlandfahrt wurde daher zu einer lustigen, quietschenden und holprigen Angelegenheit.

Zuerst steuerten wir einen kleinen versteckten See an, um einem örtlich bekanntem Sinfonieorchester, bestehend aus Fröschen, zu lauschen.
Leider schienen die Stars gerade auf Tournee zu sein, denn es war zu diesem Zeitpunkt mucksmäuschen still.
Weiter ging es unsere Fahr, vorbei an einem Baum, an dem mutterseelenallein – MOMENT! Foto raus! Knipps!! - mitten in der Pampa lässig eine Kuh lehnte und uns gelanweilt beäugte.
Ich schien viel mehr über dieses Antreffen verwirrt zu sein als sie.
In Meschen angekommen besuchten wir zunächst eine bewundernswerte Familie.
Ein ehepaar aus Deutschland hatte es sich hier zur Aufgabe gemacht insgesamt 29 bedürftige Kinder bei sich aufzunehmen, die unter anderen Umständen offensichtlich nicht überlebt hätten.
Ich stellte mir es erst als eine Art Kinderheim vor, aber bei der Ankunft empfing uns eine familiäre Atmosphäre: Auf dem Hof spielten muntere Kinder, hüpften auf einem riesengroßen Trampolin oder fütterten Babykatze ("Wie goooooldig!")
Wie uns später erklärt wurde, nennen die Kinder ihre Pflegeeltern Mama und Papa und ihre eigene Mutter treffenderweise Gebärmutter.
Wir bekamen eine Führung durch das große Haus, das nur aus Schlafzimmern zu bestehen schien und einen riesigen Speisesaal aufwies. Um den Kindern einen Rückzug zu gewährleisten waren es meistens Zweierschlafzimmer, die jeweils sehr individuell und dem Kind entsprechend eingerichtet waren. Auffallend war die tadellose Ordnung in allen Zimmern, die unserer Chaos-WG natürlich sofort ins Auge stach ;-)
Bewundernswert war auch die Ruhe und Unverbrauchtheit der Pflegeeltern und wie ihnen alles wie selbstverständlich von der Hand ging.
Wir unterhielten uns auchüber die erschütterten Schicksale der einzelnen Kindern, die allesamt noch als Babys zu dem "Haus der Hoffnung" gebracht worden waren
Dementsprechend schweigsam setzten wir unsere Reise zu einer Kirchenburg fort. Es ging hinauf in die luftige Höhen eines Glockenturms, dessen Aufstieg durch immer wackelig werdende steilen Treppen (=Leitern), die ab dem 3. Stock sogar zu schwingen beganen, erschwert. An dieser Stelle grüße ich recht herzlich meine Höhenangst! :D
Belohnt wurden wir aber von einem umwerfenden Ausblick über die Stadt und die hügelige Landschaft, was unsere Zitterpartie aufwärts wirklich auszahlte!

Zurück in Mediasch lud uns unsere Lehrerin zu sich nach Hause zum Esse ein, das ihre Mutter für uns vorbereitet hatte,
Es begann mit einer herrlich duftenden, aromatisch zur Perfektion getriebenen Zukkinisuppe, die sowas von lecker war, dass wir drei gar nicht anders konnten als uns einen Nachschlag aufzutun.
Anschließend gab es die besten gefüllten Paprika, die ich bis jetzt gegessen habe. Den anderen schien es genauso zu gehen, denn auch hier konnten wir nicht mit dem Essen aufhören und unser Besteck weglegen. Ein Zwetschgenkuchen und Kaffee rundete alles ab.
Um uns vor lauter Geschirr bei der Unterhaltung sehen zu können, stapelten wir die Teller vor mir, was die Lehrerin sehr zu belustigen schien. Anscheinend stapelt sich das Geschirr vor der Person, die bald heiraten wird.
Solltenw ir also künftig nicht nur Glockentürme besteigen, sondern sie auch zum Läuten bringen, bitte nicht wundern ;-)
Nach einer langen Unterhaltung rollten wir demensprechend glücklich und mit der Welt zufrieden, bepackt mit einer Riesenzukkini und eingemachten Pfirsichen, nach hause, wo wir unsere Jacken in die Ecke und uns aufs Sofa warfen.

Beitrag von Kathrin

PS: Vladuzkis, wir vermissen euch ^^

Romania

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